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Dalida

Glamour, Pailletten und Drama

Dalida, die meistkopierte Kultsängerin Frankreichs, bekommt nun eine neue Bühne: Das Modemuseum Palais Galliera stellt ihre flamboyante Garderobe aus. Mademoiselle Lili fächelt sich schon jetzt Luft zu.  


Keine Transvestiten-Performance ohne Dalida. Bei der ältesten noch existierenden Kabarett-Bar „Chez Michou“ am Montmartre ist sie seit Jahrzehnten Dauergast. Für jeden Travestiekünstler ist die 1987 verstorbene Sängerin Dalida eine Steilvorlage: Der schmachtende Blick, der exotische Akzent, die Wallemähne, mal blond, mal rot, mal brünett, die Kurven, betont durch enge Taillen, sturztiefe Dekolletés, nackte Schultern und schlingernde Hüftlinien – alles an ihr war schwindelerregend. Dalida, die Über-Frau, ist mindestens so berühmt für ihre dramatisch überhöhte Mode, wie für ihre Dutzende von Welthits.

30 Jahre nach ihrem Tod wurde ihr nicht nur ein neuer Kinofilm gewidmet (übrigens ganz hinreißend gespielt von der Italienerin Sveva Alviti), auch ihr Kleiderschrank wird nun museumswürdig. Das Modemuseum Palais Galliera widmet ihr eine ganze Ausstellung, die nicht nur ihren unvergleichlichen Stil, sondern auch die Modegeschichte der 50er bis 80er Jahre miterzählt. Zu besichtigen sind ihre Straßen- und Bühnen-Outfits, von den Kleidern im New Look der 50er des Hauses Carven, den glamourösen Roben à la Hollywood von Jean Dessès, dem nüchternen Chic von Loris Azzaro oder Yves Saint Laurent, den 60er-Jahre-Leibchen von Balmain und der Disco-Glitter-Mode von Michel Fresnay der 70er. Der Kultleder-Designer Jean-Claude Jitrois sagte mal über sie: „Dalida einzukleiden ist, wie Stars für das Festival in Cannes zu inszenieren.“ Bloß das jeden Tag.

Glamour und Pailletten, Drama und Tabletten. Man liest Dalidas eigene Lebensgeschichte im Stillen mit, geht man an all den prachtvollen und eleganten Kleidern vorbei, die dem Museum erst kürzlich von ihrem Bruder und Manager Orlando geschenkt wurden. Die gebürtige Italienerin, aufgewachsen als Tochter eines Opern-Geigers in Kairo, wurde mit 22 zur Miss Ägypten gewählt und geht 1955 „mit einem Koffer voller Träume und wenig Geld“ - wie sie später erzählt - nach Paris. Ihre Träume erfüllen sich rasch: Der Hit "Bambino" bringt ihr 1956 ihre erste goldene Schallplatte ein. "Am Tag als der Regen kam" wird einer ihrer größten Erfolge. Doch wie bei so vielen Superstars reimt sich schnell Glanz auf Elend. Die Selbstmorde von zwei ihrer Lebenspartner stürzen sie in Depressionen, die fortan ebenso ihre beständigen Begleiter werden, wie feinste Designer-Couture. Am 3. Mai 1987 wird sie in ihrem Haus am Montmartre tot aufgefunden, mit einem Glas Whiskey in der Hand und einer Überdosis Schlaftabletten im Magen. Neben ihr findet sich ein Zettel mit den Worten: "Das Leben ist mir unerträglich geworden. Verzeiht mir!"

Sie wurde nur 54 Jahre alt. Ich schleiche bewegt um die schönen Stoffe, mit denen sie ihre inneren Dramen stets verhüllte und denke insgeheim, dass man solche Fallhöhen in Turnschuhen und Jeans auf quasi natürliche Art und Weise reduzieren könnte.       

Dalida  - la garde-robe de la ville à la scène, bis 13. August im Palais Galliera. www.palaisgalliera.paris.fr